Quaderkirche im Land der Backstein-Dome

Conows altes Gotteshaus und die Tricks des Baumeister


Quaderkirche Kirchruine ConowObwohl nur noch als Ruine erhalten, nimmt die alte Kirche des ursprünglichen Dorfes Conow eine Sonderstellung im großen Kreis der historischen Sakralbauten in Mecklenburg ein - sie ist typisch für den Baustil und die Konstruktionsweise der Region und der Zeit. Historiker datieren die Errichtung des Gebäudes ,,um das Jahr 1300 oder bald dannach". Das ursprüngliche Dorf Conow und sein Gotteshaus liegen etwa 300 Meter südwestlich des Gutes in einer Baumgruppe versteckt, nahe dem Campingareal an einer Bucht des Carwitzer Sees. Wie die Ansiedlung, so ist auch die glockenturmlose Kirche gegen 1440 zerstört worden. In dieser Dekade herrschte Krieg zwischen Brandenburg und Mecklenburg, in dessen Verlauf fast alle Weiler und Kirchspiele im Süden des Landes Stargard in Schutt und Asche gelegt wurden. Bereits zu DDR-Zeiten ist die Ruine der Conower Kirche unter Denkmalschutz gestellt worden - nachdem weniger der Zahn der Zeit als vielmehr Menschenhand das Zerstörungswerk fortgeführt hatte: ihr Mauerwerk war als Steinbruch genutzt worden. So sind leider auch die gut behauenen Streben und Stürze des Kircheneingangs verschwunden.

Dennoch bietet das Gemäuer, eingefaßt von der Feldsteinmauer des früheren Friedhofs, ein imposantes Bild: Die Ruine mißt im Innern gut neun mal 17 Schritte, ihre Wände gründen auf 1,10 Meter starken Feldsteinquadern. Diese Quaderkonstruktion scheint sich auch bis hinauf zum Giebeldreieck fortzusetzen. Doch der Schein trügt. Wie bei manch mittelalterlicher Stadtmauer sind die Wände über dem Fundament in Kastenbauweise erstellt worden. Das heißt - zum Hochziehen des ,,Mauerwerks" benutzten die Handwerker Holzkästen, die dicht mit kleinen und kopfgroßen Feldsteinen gefüllt waren.

Die Hohlräume zwischen den meist rundlichen Felsbrocken wurden dann mit Kalkbrei ausgegossen. Um die zähe Masse geschmeidig und fließend zu halten, rührte man ihr Quark bei. So blieb der ,,Speis" gleitfähig und nahm nach dem Abbinden doch große Festigkeit an. An ausgebrochenen Wandstücken der Ruine läßt sich noch heute gut erkennen, wie der Kalkbrei in die Räume zwischen den Steinen eingequollen ist. War die Mörtelschicht abgebunden und stabil, setzte man den Kasten obenauf und baute in gleicher Manier weiter. Was nun wie eine lückenlose und fast ebenmäßige Quaderfassade aussieht, ist jedoch Maskerade. Denn die ,,Quader" sind in Wirklichkeit zwar behauene, aber verhältnismäßig dünne Steintafeln.

Der optisch so wirkungsvolle Trick besteht darin, daß die Bauarbeiter beim Hochziehen der Wände die Platten innen an die Frontwange der Holzkästen gestellt und gleich miteingegossen haben. Die Quadertafeln messen etwa 30 mal 30 Zentimeter und sind zwischen zehn und 15 Zentimeter dick. Warum Menschen in einem Land, das so kraftstrotzende und herrliche Kirchen und Dome aus gebrannten Ziegeln aufweisen kann, die Technik des ,,Quaderbaus" angewandt und nicht zum Backstein gegriffen haben? Die Antwort der Historiker: Den Bauern und Handwerkern - im 13. Jahrhundert zur Besiedlung des Landes Stargard angeworben - war das Formen und Brennen von Ziegeln fremd.

Nach Einschätzung der Geschichtsforscher stammten die Siedler oder ihre Vorfahren ,,aus Gebieten, in denen anstehendes Gestein die Errichtung der Kirche im wirklichen Quaderbau ermöglichte.

In der neuen Heimat sollte das wichtigste Gebäude in der damaligen Gesellschaftsordnung, das Haus Gottes, an die Kirchenbauten der alten Heimat erinnern."



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