Im Spiel der Winde über Hügel

Wo die Seele baumeln darf und die Stille hörbar wird


LebensgefühlWenn man Menschen fragt, wo das Paradies liegt, gibt es zwei Gruppen von Antworten. Die einen werden, umsponnen von traumhaften Vorstellungen, sagen: Irgendwo in einem fernen Land. Die anderen werden, mit Blick aus dem Fenster, meinen: Hier, in meiner Heimat liegt das Paradies. Also ist das Paradies überall. So ist auch die Landschaft um Conow ein Stück davon. Nicht weil eine solche Landschaft überall sein kann, sondern weil sie einlädt, jedermanns Heimat zu sein. Eine Landschaft, die offen ist und voller Geheimnisse zugleich.



Das Conower Land liegt in der Mecklenburger Seenlandschaft. Es wird umrahmt vom ,,Zansen", dem Carwitzer See und einer Kette kleinerer Seen im Osten. Was würde eindrucksvoller die Szenerie eröffnen als eine Fahrt mit dem Ballon. Bei mäßigem Ostwind der tief stehenden Sonne entgegen schweben, die, durch Licht und Schatten, das ständige Auf und Ab der Buckel und Senken eindruckvoll verstärkt.
Über die Landesgrenze schwebt der Ballon ein. Die Seenkette Großer Karpfensee, Kleiner Karpfensee und Bibelsee verbunden durch Röhricht bestandene Senken zeichnet diese Grenze im Gelände nach. Baumbestandene Hangzonen umrahmen die Seen, gleich alten Silberfassungen um eine Kette aus Saphiren. Nach Norden zu werden die Ufer des Großen Karpfensees flacher. Das Wellenspiel des Wasserspiegels schwingt in Wiesen und Weiden fort, bis die ersten Gärten den Ortsrand von Fürstenhagen ankündigen. Weiter schwebt der Ballon dem Dorf Conow zu. In respektvoller Entfernung zum, alten Gutshof reihen sich - umgeben von Ackern und Wiesen - die Häuser der ehemaligen Landarbeiterstellen auf einem kleinen Höhenrücken. Die Straße sucht sich ihren Weg nach Norden und Süden und markiert ihn mit stattlichen Lindenbäumen. Über dem Mühlberg schweift der Blick in die Runde.

LebensgefühlWeide- und Ackerland erfasst das Auge, in einem kurzwelligen, scheinbar unendlichen Auf und Ab übersät mit Söllen, Weihern, Hecken und Bauminseln, gesäumt von der vielgestaltigen, geschwungenen Uferlinie des Carwitzer Sees und des Zansen. Im Süden begrenzt die Kulisse der mächtigen Buchenbestände des Naturschutzgebietes Conower Werden den Blick.

Zu Füßen, direkt unter dem Ballonkorb, erkennt man an einer vom Röhricht eroberten Bucht des Carwitzer Sees grüne Uferwiesen. Sanfte Übergänge und der richtige Platz, das Boot zu Wasser zu lassen und angetrieben vom Schlag des Paddel oder vom windgeblähten Segel über das Wasser zu gleiten.
So, wie es von dieser Stelle schon vor tausend Jahren geschehen ist. Sicherlich nicht, um wie heute eine urtümliche Seenlandschaft zu erleben, sondern um der Jagd nachzugehen und den Hunger zu stillen oder Vorräte für den Winter zu schaffen. Denn die Wiesen dort unten sind der Standort des "alten", des ehemaligen Dorfes Conow. Vor hier aus wurde den dichten Buchenwäldern - nur aufgelichtet durch Moore und Weiher - das erste Ackerland abgetrotzt.

LebensgefühlAuf einer Kuppe oberhalb des Dorfes stand, aus Lesesteinen aufgeschichtet, die Kirche. Ihre Ruine, die zwischen den Baumwipfeln hindurchschimmert, bezeugt die Geschichte. Diese frühe Siedlungsentwicklung fand um 1440 ein jähes Ende - das Dorf wurde im Mecklenburg-Brandenburgischen Krieg zerstört. Die Natur eroberte sich zurück, was ihr genommen war. Die Geschichte des heutigen Dorfes und der heutigen Landschaft beginnt etwa 250 Jahre später mit der Errichtung einer Glashütte.
Der Ballon hat Conow hinter sich gelassen und treibt entlang der Uferlinie des Carwitzer Sees auf die Ziegenberge zu. Welch eine Strukturfülle von Hecken, Bäumen, Weihern, Mooren, Röhrichten, Rieden, umgeben und vor störendem Zutritt geschützt durch die Steilufer der Seen.

Was mag das flüchtende Rehwild aufgeschreckt haben? Der lautlos dahin gleitende Ballon sicher nicht, denn die Sauen lassen sich bei ihrer vorabendlichen Mahlzeit nicht stören. Südlich der Ziegenberge leiten einige Inseln den Blick zum Bohnenwerder über. Zu der Halbinsel und der Landschaft, die Hans Fallada die Ruhe geben sollte, die er in Berlin nicht fand. Das es anders kam, mag nicht der Idylle des Carwitzer Sees, sondern eher dem umtriebsamen Wesen Falladas angelastet werden.

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