So arm das Land, so reich die Kunst

Beide Landesteile, Mecklenburg und Vorpommern, sind kulturelle Schatzkammern


Neubrandenburg Stargarder TorIhre charakterliche Ausprägung erfuhren Mecklenburg und Vorpommern unter verschiedensten Einflüssen. Die Slawen, die das Land bis zu ihrer Christianisierung formten, hinterließen ihre Orts- und Flurnamen, ihre Burgwälle und Grabstätten. Ihr Haupttempel, das sagenhafte ,,Rethra, wurde bisher nicht gefunden. Nach der Eroberung des Landes durch deutsche Fürsten, entstanden in schneller Folge Städte und Dörfer.
Die Küstenstädte mit ihren Häfen schlossen sich früh dem Verband der Hanse an und öffneten Mecklenburg dem europäischen Handel. Sichtbare Zeichen dieser Zeit der Blüte und des Reichtums sind die gewaltigen gotischen Backstein - Kirchen, in denen die sakrale Baukunst des ausgehenden Mittelalters ihren Höhepunkt fand.
Kirchliche Orden trugen französische Einflüsse nach Norden. Die Zisterzienser errichteten in Doberan die unbestritten schönste Kirche, die im Nordosten Europas aus Backstein geschaffen wurde. Aber auch Profanbauten wie Stadttore, Burgen, Rat- und Bürgerhäuser entstanden aus dem spröden Material. Glanzvollstes Beispiel ist die Stadtbefestigung Neubrandenburgs.

Ihre Denkmale setzten auch spätere Kunst- und Kulturepochen: Aus der Renaissance blieben der Fürstenhof zu Wismar und das Schloss zu Güstrow erhalten. Das Barock bescherte Mecklenburg die Schelfkirche zu Schwerin. Der Klassizismus schließlich prägte das Gesicht der Landeshauptstadt grundlegend. Schinkels Einfluss ist in bedeutenden Bauten wie dem Jagdschloss Granitz auf Rügen oder der Orangerie in Neustrelitz deutlich sichtbar. Auch Maler und Bildhauer trugen zum Ruhm und Ruf des Landes bei. Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge, beides Söhne Vorpommerns, und der Güstrower Georg Friedrich Kersting gelten als Hauptmeister der deutschen Romantik. Der wohl wichtigste deutsche Plastiker des 20. Jahrhunderts, Ernst Barlach, lebte und arbeitete in Güstrow. Bis in unsere Gegenwart hinein wirkten die Maler Carl Hinrichs und Otto Niemeyer - Holstein als ,,Landschafter" an Küste und Binnenseen.

Reiche Traditionen hat ebenfalls die Musik. So ist die Mecklenburgische Staatskapelle das zweitälteste Orchester Deutschlands. Glanzvolle Namen verbinden sich mit diesem Klangkörper: Wagner und Brahms dirigierten in Schwerin, Willibald Kaehler, Klaus Tennstaedt, Kurt Masur wirkten hier als Generalmusikdirektoren.
Friedrich von Flotow, Schöpfer der romantischen Oper ,,Martha", war einer ihrer Vorgänger und Intendant am Großherzoglichen Hoftheater. Das heutige Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin besaß seinen exzellenten Ruf als Schauspielbühne schon zu Lessings Zeiten. Dessen Freund und Mitstreiter Konrad Ekhof begründete vor zweihundert Jahren in Schwerin die erste deutsche Schauspiel - Akademie. Fast alle wichtigeren Städte in den beiden Landesteilen beherbergen traditionsreiche Bühnen. In Putbus schuf sich Fürst Malte seinen klassizistischen Musentempel. In Anklam, Greifswald und Stralsund, in Rostock, Wismar und Güstrow, in Parchim, Neustrelitz und Neubrandenburg gibt es Theaterbauten, die teilweise auch architekturgeschichtlich interessant sind.
Und die Literatur? Leicht ist der Außenstehende geneigt, die mecklenburgische Literaturszene gleichzusetzen mit Fritz Reuter - den übrigens auch die Vorpommern als ihren ,,Nationalautor" verehren. Reuter lebte zeitweise in Altentreptow, das damals nur Treptow hieß und wegen seiner Lage am Flüsschen Tollense mit dem spaßhaften postalischen Zusatz ,,a.Toll." versehen wurde.
Reuter selbst bezeichnete seine Sprache als die ,,mecklenburg - vorpommersche Mundart". Natürlich dominierte er die niederdeutsche Literatur im 19. Jahrhundert, aber neben ihm gab es auch noch einige andere Autoren wie zum Beispiel den Rostocker Kapitänssohn John Brinckman, der mit seinem ,,Kaspar-Ohm un ick" ein Meisterwerk schuf.

Bauwerke in MecklenburgHochdeutsche Autoren brachte das Land selbstverständlich auch hervor. Ernst Moritz Arndt stammte von der Insel Rügen. Johann Heinrich Voß, der den Deutschen mit seinen Nachdichtungen vom Homers ,,Odyssee" und ,,Ilias" die griechische Antike erschloss, war ein Mecklenburger. Desgleichen der gemütvolle Heinrich Seidel, der mit ,,Leberecht Hühnchen" die deutsche Leserwelt eroberte.

Hoffmann von Fallersleben war dem Land eng verbunden. Der Schöpfer des Liedes der Deutschen lebte von 1844 bis 1848 in Mecklenburg im sicheren Exil. Ein ,,Asylant", der sich bei seinen Gastgebern mit Kinderliedern (,,Ein Männlein steht im Walde") bedankte. Auch der in Preußen verfolgte Berliner Adolf Glaßbrenner genoss mecklenburgisches Asyl und schrieb in Neustrelitz seinen ,,Neuen Reineke Fuchs". Im 20. Jahrhundert gewährte Mecklenburg wiederum Literaten Zuflucht. Von Barlach sprachen wir schon, der mit seinen Dramen ,,Der blaue Boll" und ,,Die echten Sedemunds" Aufsehen erregte. Ehm Welk lebte seinen Lebensabend in Bad Doberan, und Hans Fallada verkroch sich vor den Nazis in Carwitz. Zwei andere Schriftsteller aus Mecklenburg hingegen verließen das Land zu unseligen Zeiten: Uwe Johnson und Walter Kempowski. Die Heimat aber blieb ihr Thema - außerhalb der ungeliebten DDR.

Bauwerke in MecklenburgDas Mecklenburg-Vorpommern eine reichhaltige Museumslandschaft besitzt, wird oft nicht vermutet. Kunstmuseen von europäischem Format traut man dem Land nicht zu. Dennoch ist die Gemäldegalerie zu Schwerin ein solcher Musentempel. Mit ihrer wunderbaren Sammlung holländischer und flämischer Altmeister läuft sie allen Rivalen - von Louvre, Zwinger und Rijksmuseum einmal abgesehen - den Rang ab. Ein phantastischer Reichtum verbirgt sich hinter der kühlen Säulenfront am Alten Garten der Landeshauptstadt: Rembrandt, Averkamp, Ostade, Breughel, Fabricius... Zusammengetragen hat diesen Schatz der kunstsinnige Herzog Christian Ludwig II. Die Kunsthalle in Rostock ist stärker der modernen Malerei und Graphik zugewandt. In vielen Städten des Landes gibt es neben den reichbestückten und wohlgepflegten Heimatmuseen eine erstaunliche Zahl interessanter Spezialmuseen - so das Otto-Lilienthal-Museum in Anklam, das Heinrich - Schliemann-Museum in Ankershagen, das Fritz-Reuter-Literaturmuseum in Stavenhagen, das Meereskundliche Museum in Stralsund oder das Archäologische Freilichtmuseum in Groß Raden bei Sternberg.
Bleibt zum Schluss noch der Hinweis auf die Bibliotheken und Archive. Diese Schatzkammern der Geschichte sind für jeden, der Mecklenburg-Vorpommern richtig kennen lernen will, unerlässliche Stationen. Die Universitätsbibliotheken in Rostock und Greifswald, die Mecklenburgische Landesbibliothek und das Landeshauptarchiv in Schwerin sowie die zahlreichen Stadt- und Kirchenarchive bewahren Geist und Gedächtnis des Landes.


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