Der Mann, der sich Hans Fallada nannte

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Rudolf Ditzen - ein besessener Schreiber, aber glücklos im Leben


Aufnahme von FalladaFallada da du hangest", heißt es im Märchen vom treuen Pferd, dem der Kopf abgeschlagen wird, weil es immer die Wahrheit sagt. Auf der Suche nach einem Pseudonym für seinen ersten Roman stößt Rudolf Ditzen 1919 auf dieses Zauberwort. Es gefällt ihm - also verdoppelt er das "1" und nennt sich fortan Hans Fallada. Als expressionistische Prosa finden "Der junge Goedeschal" und "Anton und Gerda" nur wenig Beachtung. Fallada lässt die Jugendwerke später einstampfen. Immerhin ist über die beiden Erstlinge der Kontakt zu einem namhaften Verlag hergestellt: Doch Ernst Rowohlt erwartet von ihm bessere Romane. Zum Glücklichsein hat der am 21. Juli 1893 geborene Rudolf Ditzen kein Talent. Mit den Eltern hat er lebenslang Probleme, insbesondere mit dem Vater, einem Gerichtsrat, der seine Schriftstellerei ablehnt. Das Gymnasium muss er wechseln, weil die Lehrer an seiner Intelligenz zweifeln. Mit 18 Jahren steht Ditzen unter Mordanklage. Im Duell hat er seinen Freund erschossen. Nach § 51 für unzurechnungsfähig erklärt, wird er in eine geschlossene Anstalt eingewiesen, wo er fast zwei Jahre eingesperrt bleibt. Er ist ein Pechvogel, fühlt sich dem Leben nicht gewachsen. Er beginnt zu trinken, wird morphiumsüchtig. Mit Gerichten macht Ditzen alias Fallada noch öfter Bekanntschaft. Sein Vater besorgt ihm eine Lehrstelle in der Landwirtschaft. Er arbeitet auf Gütern, wird Spezialist für Kartoffeln, darf Geld verwalten - doch er unterschlägt es. Zuerst zu drei Monaten, dann zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, lernt er das Leben in Strafanstalten kennen, Stoff für den späteren Roman "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst". Was er auf den Gütern erlebt hat, wird in "Wolf unter Wölfen" verarbeitet.

Haus FalladaDie Lebenserfahrungen summieren sich. Als Werber, Anzeigenverkäufer und später als Lokalreporter arbeitet er in Neumünster. Er heiratet Anna Margarethe Issel, die seinem Leben anfangs Halt gibt und mit der er drei Kinder hat. Als Reporter mit einer Bauerndemonstration und einem anschließenden spektakulären Prozess befasst, entsteht 1931 aus dem Erlebten "Bauern, Bonzen und Bomben". Es wird Falladas erster Romanerfolg. Auf Sylt hat er zufällig Ernst Rowohlt wieder getroffen. Der holt ihn nach Berlin, gibt ihm eine Anstellung mit Zeit zum Schreiben. Fallada hat Arbeitslosigkeit Wirtschaftskrise erlebt. Beides setzt er 1932 in "Kleiner Mann, was nun?" um. Sein Durchbruch als Fürsprecher der kleinen Leute bringt ihn politisch in Konflikt. Der Roman wird ein Welterfolg, der sein Leben verändert: Fallada, quasi über Nacht reich geworden, kauft sich in Carwitz sechs Morgen Land, ein Haus, verlässt Berlin und beschließt, vom Schreiben zu leben. Den Nazis ist Fallada ein Dorn im Auge. In "Kleiner Mann, was nun?" hat er sie schlecht gemacht. Sein Held Pinneberg und dessen Frau Lämmchen haben für die Kommunisten Partei ergriffen. Fallada wird verhaftet, kommt aber nach elf Tagen wieder frei. Seine Bücher dürfen weiter erscheinen. Doch er ist gewarnt. Ein politischer Autor war Fallada nie. Auch die Analyse war seine Stärke nicht. Was immer er zu Papier bringt, er hat es erlebt, gefühlt, erlitten. Die besten seiner Helden sind er selbst. Er hat gelernt, lebendig zu schreiben. Da er sich nicht vorstellen kann, mit der Familie auszuwandern, arrangiert er sich. Es entstehen harmlose Geschichten, Märchen und auf Anregung von Emil Jannings "Der eiserne Gustav". In nur 23 Tagen schreibt er "Wir hatten mal ein Kind" herunter. Auch um seine Trunk- und Drogensucht zu bekämpfen, bleibt er produktiv, hält nach der Uhr sein Arbeitspensum ein.

TerasseMit den Nazis hat Fallada seinen Frieden gemacht: Als Sonderführer des Reichsarbeitsdienstes im Range eines Majors bereist er 1943 Frankreich, um darüber zu schreiben. Von seiner Frau hat er sich scheiden lassen und eine andere geheiratet. Anna ist, wie er, alkohol- und rauschgiftsüchtig. Und sie weiß, ihm den Stoff zu besorgen, den er täglich braucht, um weiterleben zu können. Kapitulation und Einmarsch der Sowjetarmee erlebt Hans Fallada in Feldberg. Vier Monate ist er Bürgermeister der Stadt, dann fast nur noch Patient in Heilanstalten und Kliniken. Für die entstehende DDR hofft der Kulturpolitiker Johannes R. Becher den "Dichter der Unterdrückten und der Schlechtweggekommenen" zu aktivieren. Einen großen Roman über die Nazi - Zeit soll Fallada schreiben. Das Honorar, das Becher ihm zuschanzt, legt Fallada in Morphium an.
Seine Gesundheit ist längst ruiniert. Im Krankenhaus entsteht sein letztes Buch: "Jeder stirbt für sich allein". Es ist die Geschichte eines Ehepaares, das mit Postkarten das untergehende Nazi - Regime bekämpft, von der Gestapo gefasst, zum Tode verurteilt und hingerichtet wird. Stets wie im Rausch schreibend, bringt Fallada auch diesen Roman in wenigen Wochen zu Ende.
Sein Körper verfällt, sein Geist erlischt - Rudolf Ditzen, der sich Hans Fallada nannte, stirbt am 5. Februar 1947.

Reicher Nachlass
Innenansicht des Hauses
Das Fallada - Archiv in Feldberg

Biographie und Werk des Schriftstellers werden im "Hans-Fallada-Archiv", Eichholz 3, in Feldberg konserviert. Zu Forschungszwecken ist das Institut täglich von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Die Bibliothek umfasst rund 1.000 Bände. Das Archiv verwaltet einen Großteil des Fallada-Nachlasses in Form von Manuskripten, Briefen, Dokumenten, Rezessionen und Dissertationen. Aber auch Erstausgaben, Fotos, Schallplatten und Filmdrehbücher gehören zu den Exponaten. Daneben gibt es Sammlungen, die sich mit anderen Schriftstellern der Region, wie etwa Brigitte Reimann, beschäftigen.
Angebote des Fallada-Archivs:
Unterhalten wird das Archiv durch die Hans-Fallada-Gesellschaft e.V., die auch das Gästehaus mit zwei Einzel- und zwei Doppelzimmer betreut.

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