Der Weg vom Domanialgut zur Rindermast-Station


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Mit der Staatsgründung der Deutschen Demokratischen Republik im Jahre 1949 wird aus dem einstigen Domanialgut Conow das volkseigene Gut, kurz VEG Conow genannt. Zum besseren Verständnis: Die von den volkseigenen Gütern bewirtschafteten Flächen, die Tierbestände, die Technik und die Gebäude waren staatlicher Besitz - wie in anderen Wirtschaftszweigen, die unter dem Kürzel VEB, gleich volkseigener Betrieb, geführt wurden. Die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) dagegen waren eine "niedere Form" des sozialistischen Eigentums. Das heißt, der Kapitalgrundstock einer LPG stammte aus den Einlagen seiner Gründungsmitglieder.

Später kamen Staatszuschüsse und Zuordnung von Volkseigentum zur Bewirtschaftung hinzu. Im Laufe der Entwicklung der DDR wurde die genossenschaftliche Grundstruktur schrittweise aufgelöst: Der Staat vereinnahmte quasi das Eigentum der LPG-Gründer. Wie auf den 44 anderen volkseigenen Gütern im ehemaligen Bezirk Neubrandenburg, bestimmen zunächst Pflug und Melkmaschine den landwirtschaftlichen Produktionsalltag auf Conow. In der Spitzenzeit werden auf den Weiden des Gutes 800 Kühe und 900 Mastbullen gehalten, die mit Futter aus eigenem Anbau versorgt werden müssen. Als im Betriebsjahr 1963 das VEG Conow tiefrote Zahlen schreibt, löst die Negativ-Bilanz eine personelle "Revolution" aus - eine Frau wird auf den Direktorensessel gehoben. Die erste Chefin eines Volksgutes bringt das Kunststück fertig, innerhalb eines Jahres die Verluste zu halbieren.
Lobend berichtet die Zeitung ,,Der Demokrat" in der Ausgabe vom 16. März 1965 von den ehrgeizigen Zielen der jungen Direktorin: ,,Der Plan sieht u.a. vor, die durchschnittliche Kuhleistung um rund 250 auf 3000 Kilogramm Milch zu erhöhen.

Maikäfer im März
Meldung im "Demokrat" aus dem Jahr 1953: Wir haben zwar noch nicht Mai, aber auf dem volkseigenen Gut in Conow wurden bei Drainage-Ausgrabungen schon Mitte März auf etwa 1 Quadratmeter Ackerfläche 3 bis 5 fertig ausgebildete Maikäfer gefunden. Daraus lasst schließen, dass wir mit einer starken Maikäferplage rechnen müssen"

Durchschnittserträge der letzten drei Jahre bei Getreide um fast drei Dezitonnen sowie bei Kartoffeln und Zuckerrüben um rund 40 bzw. 70 Dezitonnen je Hektar zu erhöhen. Im Jahre 1972 kommt es auf Anordnung ,,von oben" zu einer einschneidenden Agrar- Reform. Die Landwirtschaftsbetriebe werden flächendeckend zur Spezialisierung angehalten.
Für Gut Conow bedeutet das:
Die Produktion des betriebseigenen Futters und der Marktfrucht-Anbau werden eingestellt. Das VEG darf sich künftig ausschließlich mit Tierhaltung beschäftigt.
Die Flächen des Gutes, auf denen Getreide, Kartoffeln oder Rüben gesät, gepflanzt und geerntet wurden, gehen an die Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) Lichtenberg über. An der Gründung der ,,grünen" Kooperative sind sowohl Conow als auch der Zweig der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Lichtenberg beteiligt, der sich mit Ackerbau beschäftigt. In der Folgezeit schließen sich die weidewirtschaftlichen Betriebe der LPG Lichtenberg, LPG Feldberg und das VEG Conow zusammen, um gemeinsam die Milchvieh- Anlage in Fürstenhagen zu bewirtschaften.

1979, im dreißigsten Jahr der DDR-Gründung, vermerkt die Zeitung "Freie Erde" in der Zwischenbilanz des Wettbewerbs zum Republikjubiläum: "Werktätige des VEG Conow erfüllen ihre Planaufgaben". Anlässlich einer ökonomischen Konferenz berichtet der Direktor des Gutes, dass "das Kollektiv der Mischfutterproduktion die bedingten Ausfälle zum Jahresbeginn aufgeholt und den Halbjahresplan mit 105 Prozent erfüllt" habe. Auch in der Kälberaufzucht, so heißt es in dem Zeitungsbericht weiter, ,,wurden die geplanten Verluste unterboten und in der Rindermast die Leistungen weiter gesteigert". Conow ist um diese Zeit der größte Bullenmastbetrieb des Kreises. Am 1. August 1979 wird den Werktätigen des VEG der Titel ,,Kollektiv der sozialistischen Arbeit" verliehen.

Zehn Jahre später fällt die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten, und am 3. Oktober 1990 feiern die Menschen die Wiedervereinigung Deutschlands. Im Herbst des darauffolgenden Jahres nimmt ein Industrieller aus dem Ruhrgebiet erste Gespräche mit der Treuhand-Gesellschaft in Berlin auf die u.a. auch das Conower Gut verwaltet. Bereits nach wenigen Monaten, im Frühjahr 1992, führen die Verhandlungen zum Verkauf des Gutes sowie zum Erwerb weiterer Flächen in Wittenhagen und Fürstenhagen: Acker, Wiesen und Wälder erhalten einen neuen Besitzer.

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