Misslungenes Attentat und die Folgen


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Europa im Sommer 1939. Wirtschaftlich und militärisch wieder erstarkt, nimmt Deutschland eine politische Schlüsselrolle auf dem Kontinent ein. Das Rheinland, Österreich und das Sudentenland sind "heim ins Reich" geführt worden, deutsche Truppen haben die Tschechoslowakei und das Memelgebiet besetzt. Die Interessensphären, so scheint es, sind damit zwischen den Großmächten abgesteckt. Noch ahnt niemand, dass die Welt aus den Fugen geraten wird.

Nach 16 Jahren der Emigration betritt der Agronom und Marine-Offizier Hans-Joachim, Wilhelm, Ernst von Mellenthin 1939 wieder deutschen Boden. Am 25. März 1887 in Pommern geboren und im 1. Weltkrieg als U-Boot-Kommandant mit dem Orden Pour le Merite ausgezeichnet, war von Mellenthin 1923 nach Südamerika ausgewandert und hatte sich in Kolumbien als Kaffeepflanzer und Viehzüchter niedergelassen.

Aus dem Erlös seines in Platin angelegten Vermögens erwirbt von Mellenthin am 22. Oktober 1940 das Gut Wittenhagen und am 11. November des gleichen Jahres die Domäne Conow - guten Glaubens, dass das zwischen Berlin und Moskau geschlossene Wirtschaftsabkommen und der bereits ratifizierte Nichtangriffspakt halten werden. Doch er irrt. Hitler bricht alle Abkommen. Ein Jahr später marschiert die Wehrmacht in Rußland ein... Auch über Conow

Nach dem misslungenen Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wird auch Graf Lehndorff verhaftet. Es gelingt ihm aus Berlin zu entkommen und in den Waldungen von Conow unterzutauchen. Ein Förster wird ihm zum Verhängnis.
Der Mann denunziert den Grafen und die Gestapo verhaftet ihn. Vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt, wird Heinrich Graf Lehndorff am 4. September 1944 in Plötzensee hingerichtet.
Der fehlgelaufene Anschlag auf Hitler löst eine Vergeltungskampagne aus. Über 5.000 Menschen, darunter 700 Offiziere, werden zum Tode verurteilt oder wie die Generalfeldmarschalle von Kluge und Rommel in den Selbstmord getrieben. Im Zuge der "Säuberungsaktion" werden Vermögen und Grundbesitz der betroffenen Familien von den Nazis konfisziert. So verliert 1944 auch die Gräfin Lehndorff Schloss und Begüterung Steinort im nördlichen Teil der Masuren.

Im Januar 1945 siedelt Gottliebe Gräfin Lehndorff mit ihren vier Töchtern nach Bremen über, während ihre Mutter Sophie geborene Gräfin von Boddien und ihr Ehemann Hans-Joachim von Mellenthin erst im April, kurz vor dem Anrücken Sowjet - Truppen, nach Hamburg fliehen.
Die Familie Mellenthin geht 1950 für zehn Jahre zurück nach Kolumbien, kauft am pazifischen Ozean die Hacienda Tolu und startet einen Neuanfang mit Viehzucht. 84- jährig schließ Hans-Joachim von Mellenth 1971 für immer die Augen.
Seinem Wunsch gemäß wird der Fregattenkapitän nahe der Ostsee bei Kiel bestattet. Die Domäne Conow und das Allodialgut Wittenhagen, mittlerweile volkseigene Güter geworden, vermacht von Mellenthin seiner Ehefrau Sophie, die die Begüterungen 1989 ihre Tochter Gottliebe vererbt. Gottliebe Gräfin Lehndorff lebte bis zum Frühjahr 1993 im Alten Pfarrhof Peterskirchen bei Wasserburg in Oberbayern, wo sie Kurse für Kunst und Philosophie veranstaltete. fallen die Schatten der Geschichte. Mellenthins Stieftochter, Gottliebe Gräfin von Kalnein, hatte 1937 in Ostpreußen Heinrich Graf Lehndorff geheiratet, der als Gutsherr und Reserveoffizier später dem Kreis der Widerstandskämpfer um Graf Stauffenberg angehört.

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