Ein ganzes Land als Brautgeschenk


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Was die Chroniken von Conow, Wittenhagen und Fürstenhagen erzählen

Konow Cunowe, Kunow, Conow - so wechselvoll der Flurname, so facettenreich ist auch die Geschichte des Dorfes und des späteren Gutes Conow im Land Stargard. Sprachwissenschaftler sind über die Herkunft des slawischen Namens geteilter Meinung. Nach Kühnel ist es "der Ort des Kona"' nach "ow", die in vielen Ortsnamen anzutreffen ist, steht im Slawischen für Dorf oder Siedlung. Beurkundet ist Conow im sogenannten Türkenregister des Amtes Mirow. Das ursprüngliche Dorf lag nahe dem "Heiligen Werder". Die hakenförmige Landzunge, die heute "Conower Werder" heißt, barg in vor-mittelalterlicher Zeit eine Kultstätte des slawischen Stammes der Rhedarier.

Burg, Stadt und Land Stargard
Und so beginnt die Geschichte Conows:

Anno 1292 heiratet die brandenburgische Prinzessin Beatrix den Fürsten Heinrich II. von Mecklenburg. Als Brautgeschenk bringt Beatrix das Land Stargard in die Ehe ein. Somit wird Conow mecklenburgisch. 1354 überlässt Herzog Johann von Mecklenburg Bürgern von Lychen acht "Hufen" der Gemarkung zur Gründung einer geistlichen Stiftung. 1393 muss Henning Parsenow Herr auf Conow gewesen sein, denn die Herzöge Johann und Ulrich weisen Parsenow "eine Hebung aus Conow an Zu Beginn des 15. Jahrhunderts sind Dorf und Pfarre der Feldmark Conow Lehen der von Feldberg auf Feldberg. Nach dem Aussterben des Geschlechtes fällt ein Teil des Landes an die von Kerkow, ein anderer Teil an die von Dalme. Vermutlich um das Jahr 1440 wird das Dorf Conow in den Wirren der Mecklenburg - Brandenburgischen Fehde zerstört. Die Ländereien veröden. Die Natur holt sich zurück, was ihr die Menschen zuvor abgetrotzt haben.

Von 1471 an verkauft Jasper Kerkow Zug um Zug seine Anteile an Feldberg und die dazugehörigen Güter an die von Rieben auf Galenbeck. Die wiederum veräußern 1516 die Ländereien an die Herzöge von Mecklenburg. Um diese Zeit treten auch die anderen Mitglieder der Familie Kerkow "den Rest ihrer Gerechtigkeit auf dem Felde zu Conow" an die Landesherren ab.

Mit dem Anteil des Bodens, der denen von Dalme gehört, wird 1464 Balthasar Manteuffel belehnt. 1505 tauscht die Familie Manteuffel ihre Besitzung um Conow gegen landesherrlichen Grund in Dolgen und Rattey ein. Somit geht die gesamte Feldmark um Conow an das mecklenburgische Herrscherhaus über. 1618: Das Herzogtum Preußen, bis dahin polnisches Lehen, fällt durch Erbschaft an Brandenburg. Im selben Jahr beschwören böhmische Protestanten mit dem "Fenstersturz zu Prag" den Dreißigjährigen Krieg herauf, der letztlich auch Mecklenburg heimsucht. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hat der Wald die Gemarkung zurückerobert und die Trümmer des alten Dorfes Conow überwuchert. Erst 1701 beginnt mit der Errichtung einer Glashütte ein neues Kapitel in der Geschichte von Conow. Die Herzöge ernennen Jürgen Kauffelt zum 1. Glasmeister und verpachten ihm die Hütte auf 20 Jahre. Der Platz ist ideal, denn die Waldungen liefern reichlich Holz zum Befeuern der Schmelzöfen.

Da Kauffelt aber den Kontrakt nicht erfüllen kann, wird 1709 der "District Conow" zusammen mit der Glashütte an den aus Sachsen-Gotha stammenden Hofrat Bartsch zu Lichtenberg für 5.000 Taler verpfändet. Als der Hofrat 1715 stirbt, übernimmt zunächst seine Witwe den Besitz, überlässt aber schon bald Gut Conow nebst Glashütte Hans Heinrich Gundelach.

Gundelachs Nachfahre, Johann Jürgen, schließt mit der landes-herrlichen Kammer einen Vertrag, der dem Herzog "die Jagd mit Hunden und die auf großes Wildbret" rund um Conow gegen Lieferung von Feuerholz für die Glashütte sichert. Denn die Waldungen der Gemarkung sind schon so weit gelichtet, dass sich der Betrieb der Glasschmelze nur durch Zukauf von Holz aus der landesherrlichen Boitzenburger Begüterung aufrecht erhalten lässt. Ein halbes Jahrhundert nach der Gründung der Glashütte stellen die Erben des 1749 verstorbenen Glasmeisters Leutnant Christian Friedrich von Gundlach, "unter denen Justus von Gundlach auf Grauenhagen an erster Stelle genannt wird", den Betrieb der Schmelze ein. 1751 fällt Conow samt Pachtgut und Meierei an das mecklenburgische Herrscherhaus zurück.

Das zum Gut gehörige neue Dorf Conow erhält 1826 ein eigenes Gotteshaus. Der Backsteinbau "von früh gotischer, großzügiger Schlichtheit" ist ein Entwurf des Schinkel-Schülers Friedrich Wilhelm Buttel. Seit der Neugründung ist Conow von Carwitz und später von Feldberg aus seelsorgerisch betreut worden. Um 1886 zählt die Gemeinde 114 Einwohner. Neben Kirche und Schule weist der Kataster Schmiede, Feuerspritzenhaus und "Krug" aus. 1888 nimmt das Amtsgerichtsregister zu Feldberg von Gut Conow wieder Notiz, als die Ländereien an den Amtmann Karl Wilbelitz und dessen Bruder Wilhelm verpachtet werden. 1906 folgt ein abermaliger Pächterwechsel. Der neue Herr auf Conow heißt Karl Burmeister.

Dorf Conow zählt 163 Einwohner. Die zur Gemarkung gehörige Flur wird mit 611 Hektar vermessen, davon 512 ha Ackerland, 40 ha Wiesen und 25 ha Weiden. Sechs Jahre später, also 1912, nennt das Hof- und Staatshandbuch des Großherzogtums Mecklenburg - Strelitz Albert Winkelmann als Pächter auf Conow. Der 1. Weltkrieg ist zu Ende und Mecklenburg - Strelitz ein Freistaat. Gut Conow bleibt als "Erbmasse" im Besitz des Staates. 1921 weist das Register des Güter-Adressbuchs Friedrich Boeckmann als Pächter auf Conow aus. Zum Gut gehören 42 Pferde, 149 Stück Rindvieh, 652 Schafe und 52 Schweine.

1926 werden zirka 554 Hektar Land um Conow von der Mecklenburg - Strelitzer Futtersaatbau - Gesellschaft bewirtschaftet. Die zum Hofbetrieb gehörige Windmühle ist an eine Familie Köhncke verpachtet. 1929 übernimmt der Schmiedemeister Wilhelm Otto das Amt des Gemeindevorstandes in Conow und, nomen est omen, Franz Studier paukt als Lehrer den Schülern das ABC ein. Unter den "braunen" Machthabern bleibt Conow zunächst Staatsgut des Gaues Mecklenburg, bis es 1938 an Erich Hein verkauft wird. Hein wiederum veräußert Conow im November 1940 dem pommerschen Fregattenkapitän Hans-Joachim von Mellenthin, dem auch das wenige Meilen entfernt liegende "Allodialgut" Wittenhagen gehört.

29. April 1945: Zehn Minuten, bevor Stoßtrupps der Roten Armee Conow und Wittenhagen erreichen, setzen sich die von Mellenthins Richtung Westen ab - so protokolliert in einer Dokumentation der "Arbeitsgemeinschaft Deutscher Landwirte und Bauern der sowjetzonalen Landsmannschaften und des Gesamtverbandes der Sowjetzonenflüchtlinge" (ADLuB).

Mellenthins Stieftochter, Gottliebe Gräfin von Kalnein (letzte Erbin der Güter Conow und Wittenhagen), heiratet 1937 Heinrich Graf Lehndorff. Acht Monate vor Kriegsende ereilt den Grafen das Schicksal: Er wird in den Waldungen von Conow gestellt und der Gestapo ausgeliefert. Wie Graf Stauffenberg, gehörte auch der Ostpreuße Lehndorff zum Kreis derjenigen Offiziere, die am 20. Juli 1944 versucht hatten, Hitler durch ein Bombenattentat zu töten... Gut Conow wird enteignet und unter sowjetische Militär-Administration gestellt. Graf Lehndorffs Schicksal und die nächsten Jahrzehnte der ehemals großherzoglichen Domäne Conow sind interessant genug, eigene Kapitel aufzuschlagen. Deshalb tauchen wir an dieser Stelle noch einmal in die Tiefe der Historie und beleuchten die Geschichte der Güter Wittenhagen und Fürstenhagen, deren Ländereien teilweise zur heutigen Besitzung Conow gehören.

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