Der achtbeinige Pudel


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Mehr als hundert Jahre ist es her, da lebte in Feldberg ein Amtshauptmann, der wegen seiner Hartherzigkeit weit und breit gefürchtet war. Weil er nun im Leben so wenig gut getan hatte, konnte er nach dem Tode keine Ruhe finden. sondern musste in Gestalt eines schwarzen Pudels mit zwei Köpfen, großen, feurigen Augen und acht Beinen, vier davon waren ihm aus dem Rücken herausgewachsen, jede Nacht auf dem Gottsberge umgehen. Kam einmal ein argloser Mann derer des Weges daher, so tauchte das unheimliche Tier plötzlich neben ihm auf, fletschte die Zähne, stierte ihn drohend an und lief neben ihm her, wobei es sich mitunter herumwarf und auf den oberen vier Beinen weiterlief. Ebenso erging es den Fuhrwerken, die den Gottsberg bei Nacht passieren mussten. Die Pferde scheuten bei seinem entsetzlichen Anblick so sehr, dass kein Kutscher sie zu halten vermochten. Erst wenn die Ruhrbucht hinter ihnen lag, wurden sie wieder ruhiger.

Auch in der Amtsstube trieb der Spuck sein Unwesen. Die Schreiber konnten kein Protokoll aufnehmen, ohne dass eine geisterhafte zweite Hand mit ihnen geschrieben hätte. Die Akten flogen auf die Erde, und das Licht wurde ausgeblasen.

Als nun diese Not kein Ende nehmen wollte, beschlossen die Feldberger, den bösen Geist unschädlich machen zu lassen. Sie ließen einen Geisterbanner, den Scharfrichter von Neubrandenburg, kommen und dieser bannte den Geist in eine große, grüne, bauchige Flasche, deckte sie mit einem silbernen Schilling zu und vergrub sie in der Voßkuhl. Hier gehen die Meinungen auseinander; einige wollen wissen, er sei auf dem Läbenwierdel vergraben, andere es Sitze auf dem Amt in einer dunklen Kammer, sei aber durch den Bannspruch machtlos geworden.

Um ganz sicher zu sein, dass auch die unheimliche Gestalt nicht wiederkehre, ließ man das Grab des bösen Mannes mit einer dicken Steinplatte zudecken.

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