Die Toten reiten schnell


zurück Übersicht weiter

Eine Braut und ihr Bräutigam hatten sich sehr lieb, und als er fortziehen musste, versprach er ihr, er würde wieder kommen. Er ließ Jahr und Tag nichts von sich hören und ist in der Fremde gestorben.

Zu derselben Zeit saß zu Hause die Braut am Fenster und nähte. Da sah sie auf einmal ihren Liebsten draußen stehen, der winkte, sie möchte herauskommen. Schnell sprang sie auf und ihm entgegen. Sie gingen zusammen das Dorf entlang und erzählten sie, wie lang und bang die Trennungszeit gewesen sei und wie schön es wäre, dass er sein Versprechen gehalten und endlich zurückgekommen sei.

Da sagte er auf einmal ganz unvermittelt: "De Mond schient hell, de Doden riden schnell, grugt Leiwhart ok vör Doden?" "Du büst jo bi mi!" Antwortete sie ihm.

Er ging mit ihr zum Dorf hinaus auf die Landstraße, und nach einer Weile sagte er zum andern Male: "De Mond schient hell, de Doden riden schnell, grugt Di ok?" Sie antwortete: Nein, nein! Aber sie wunderte sich doch über dies seltsame Gerede, und ein Grauen beschlich sie. Als er nun zum dritten Male dasselbe fragte, ward es ihr plötzlich zur Gewissheit, dass sie mit einem Toten ginge, und um nur von ihm loszukommen, fragte sie: "Töw hier 'n bäting, ick lop mal na Hus un hal mi wat."

Und sie lief, so schnell sie konnte, und war nur gerade in ihre Kammer geschlüpft, da klopfte es an ihr Fenster, und ihr Bräutigam rief: "Giw mi mien Ring trüch!" Sie hatte Angst, er könnte sie mit ins Totenreich nehmen, wenn sie die Hand hinausreichte und steckte deshalb den Ring auf ein Stöckchen und hielt ihn so zum Fenster hinaus. Er nahm ihr den Ring ab und ist niemals wiedergekommen.

Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen! Diese Seite weiterempfehlen