Die Totenhand


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In Warbende war eine alte Frau gestorben und ihr Nachbar, der am andern Tag am Kirchhof vorüber ging, sah sie da stehen. Sie sah ihn so traurig an, und er dachte bei sich: Kann sien dat se noch wat to seggen hett, ick will ehr man anreden. (Von selber können die Toten nicht Sprechen, man muss sie erst angeredet haben.) "Nawersch," sagte er, "wat mokt se hier?" "Ach mien Gott," Sagte die Tote, "ick harr so 'n schönet Linnen upsport, dat süll mien Dochder kriegen, de Wohnt 'ne Stunn von hier, un nu hett dat de Möllersch krägen. Wenn man Een hengahn wull un ehr dat seggen, dat dat Linnen för mien Dochder wier!" "Gaut Nawersch, dat will ick giern dohn," sagte der Bauer, "dat do 'k nich mier as giern, dorför kann se ruhig schlapen gahn."

"Dat is schön von em", sagte die Tote, "nu dreih he sick mal üm, ick will em nix nich andohn, äwer teiken möt ick em."

Der Bauer drehte sich um und fühlte plötzlich einen heftigen Schlag zwischen den Schulten. Er fuhr herum, aber fort war sie Tote.

Er ging nun nach Hause und erzählte seiner Frau die merkwürdige Geschichte. Die besah ihn von hinten und schrie laut auf: "Du hest dor en grote schwate Hand up dien Puckel!" Er zog seine Jacke aus, eine Weiße Leinenjacke, und richtig, es war eine große, schwarze Hand darauf zu sehen. Seine Frau wusch und rieb, alles umsonst, das Mal war wie eingebrannt, sie musste die ganze Stelle herausschneiden und einen Flicken einsetzen.

Der Bauer führte sein Versprechen aus, ging zu der Verwandten der Toten und erzählte ihr, für wen diese das Leinenzeug bestimmt hätte. Die Frau hörte ihm voll Grauen zu und fragte sofort: "Du mein Gott, Leiwer wull ick gornicks hebben!" und schickte am selbigen Tage alles Leinen an die Tochter der Verstorbenen.

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