Das verunglückte Brautpaar


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Der Weber Fünfstück geht in der Nacht durch den Stolper Grund, da kommt es ihm so vor, als ob jemand hinter ihm herkäme. Er sieht sich nicht um, und es dauert auch gar nicht lange, so kommt ein fein gekleideter Herr an seine Seite und sieht ihn starr an. Der Weber Fünfstück ist ein frommer Mann, er sieht ja gleich, dass es mit dem Herrn nicht seine Richtigkeit hat und fängt an zu beten: "Christe Blut und Gerechtigkeit" u. f. f. Der Mensch an seiner Seite verändert sich nicht und sieht ihn unausgesetzt an. Dem Weber stehen die Haare zu Berge, so dass er denkt, er hätte seine Mütze verloren, und er betet zum zweiten Male dasselbe Gebet. Der Mensch an seiner Seite rührt sich nicht; aber als er zum dritten Male anfängt, ist plötzlich der unheimliche Weggenosse verschwunden. "Das ist ein gutes Gebet", denkt Weber Fünfstück und geht weiter. Nach einer Weile kommt ein junges Mädchen im vollem Hochzeitsstaat an seine Seite und sieht ihn an. Sie sieht ihm so recht in die Augen, so dass er denkt: "Soll ich sie anreden? Kann sein, es ist mein Glück, es kann aber auch mein Unglück werden." In seiner Not fängt er wieder an zu beten: "Christi Blut und Gerechtigkeit..." Die Braut rührt sich nicht und sieht ihn so ernsthaft an, dass ihn graut. Hier kommt ihm so nebenbei der Gedanke: Nun gehst du ohne Mütze nach Hause, und wenn du ins Dorf kommst, sagen die Menschen, du wärst betrunken.

Unterdessen geht er, ohne ein Wort zu sprechen und ohne sich umzusehen, weiter und betet leise für sich. Als er zum dritten Male anfängt, ist auch die Braut fort. Vor seinen Augen versinkt sie in die Erde, so dass die Seide ihres Kleides knistert und raschelt.

Als er in sein Dorf kommt, hat er auch seine Mütze richtig auf dem Kopf, er hatte sie nur nicht gefühlt, so sehr standen ihm die Haare zu Berge.

Und immer hat der Weber Fünfstück noch nach Jahren zu seinen Kindern gesagt: "Sollte Euch auch mal was passieren, so betet nur: "Christi Blut und Gerechtigkeit, das hilft", und der Weber Fünfstück hat in seinem Leben nie gelogen, es hat sich so zugetragen, wie er es erzählt hat.

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