Der Brand der alten Kirche


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Die alte, hölzerne Kirche, die dem Amtshof gegenüber stand, brannte am 29. September 1870 ab. Es war an dem Abend ein Dankgottesdienst für die Einnahme von Straßburg gewesen. Die Beleuchtungsapparate waren nicht sehr großartig. Hie und da wurde ein Entchen Licht aufgesteckt und die Kirche blieb in sanfte Dämmerung gehüllt. Fräulein S.s sahen während des Gottesdienstes ein Lichtstümpfchen hin und her flackern und verlöschen. Um acht Uhr war der Gottesdienst zu Ende gewesen, um 11 Uhr sahen die Schwestern einen Feuerklumpen auf dem Chor, wo der Lichtösel umgefallen war. Sofort weckten sie ihre Angehörigen und alle Nachbarn. In unglaublich kurzer Zeit stand das ganze Gotteshaus in Flammen, die Wetterfahne drehte sich kreischend und sank, aus der Orgel stiegen klagende Töne empor, die eichenen Balken krachten und die Feuerlohe schlug hoch gegen den Himmel. Der glatte See spiegelte die Feuerpracht großartig wieder. Die Menschenmenge stand tief bewegt, ja andächtig still dabei. Es war nicht möglich zu retten, aber auch nichts weiter zu fürchten, da Windstille herrschte. Gestürmt konnte ja nicht werden, alles stand schweigend umher und schaute wehmütig zu wie die Flammen die Kirche verzehrten in der schönen, klaren Herbstnacht.

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