Der Schatzgräber und der Schneider


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In Carwitz wohnte ein Mann, der keinerlei Handwerk betrieb und bei allen als Schatzgräber bekannt war. Diesen bat ein Schneider, er möchte ihn doch einmal mitnehmen, wenn er wieder nach Geld graben wolle. Der Schatzgräber versprach, ihn abzuholen, und es klopfte auch wirklich in der nächsten Nacht an das Fenster des Schneiders. Schnell öffnete dieser den Laden, aber vor ihm stand nicht der ihm wohlbekannte Schatzgräber, sondern ein Fremder, mit einem dreispitzigen Hut. Dem Schneider wurde unheimlich zumute, er warf den Laden zu, kroch ins Bett, zog die Decke über die Ohren und antwortete auf kein Klopfen und kein Rufen. In der folgenden Nacht klopfte es abermals, und die ihm bekannte Stimme des Schatzgräbers rief: "Komm mit!" Zitternd öffnete der Schneider den Laden, der Schreck der vorigen Nacht lag ihm noch in den Gliedern, aber da stand wirklich der Schatzgräber vor dem Fenster und fragte, weshalb er nicht schon in der vergangenen Nacht mitgekommen sei. Darüber, dass dem andern der Abgesandte zu unheimlich gewesen sei, lachte er und erklärte, er habe 12 solcher Helfer. Er führte den noch immer ängstlichen Schneider auf einen Hügel, der zwischen dem Dreetz und Thomsdorf liegt, zog einen Kreis, befahl ihm, sich hinein zu stellen und, was auch geschehen möge, kein Wort zu sprechen. Ein Ende entfernt, aber in Rufweite, fangen die Dreizehn nun an zu graben. Deutlich hört der Schneider, dass sie mit dem Spaten auf etwas Metallnes stoßen, und dass unter den Grabenden ein Streit ausbricht. Er hört von dem einen Gehilfen die Worte "an den Galgen" und hört auch, dass der Schatzgräber fragt: "Wer soll an den Galgen?" Der andere antwortet laut und wütend: "Alle, aber zuerst der Schneider!" Dem armen Schneider bricht der Angstschweiß aus, er glaubt, sein letztes Stündlein sei gekommen und läuft laut um Hilfe rufend nach Hause. Die ganze Nacht kann er kein Auge zutun. Am anderen Morgen kommt der Schatzgräber zu ihm und macht ihm bittere Vorwürfe über sein feiges Benehmen, es wäre ganz sinnlos gewesen, davonzulaufen, da ihm in dem Zauberkreis nichts hätte geschehen können, besonders, da er rote Strümpfe angehabt hätte. Durch sein Rufen und Schreien hätte er die ganze nächtliche Arbeit zuschanden gemacht, der eiserne Kasten mit Gold wäre nun wieder zehn Klaster tiefer versackt, und sie müssten lange graben, bis sie so weit wären, wie in dieser Nacht. Der Schneider ließ ihn Schimpfen und ist nie wieder mit zum Schatzgraben gegangen.

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